Geschäftsmodellinnovation – Einordnung und Herangehensweisen

Der digitale Wandel beeinflusst etablierte Geschäftsmodelle in unverkennbarer Weise. Die „Halbwertszeit“ von Geschäftsmodellen ist zukünftig weit geringer, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Unternehmen müssen also lernen, den Prozess der Geschäftsmodellinnovation nicht als ein eher selten auftretendes Ereignis zu betrachten. Vielmehr wird die Innovation von Geschäftsmodellen zu einer unternehmerischen Daueraufgabe werden – wofür ein Unternehmen passende Methoden und Vorgehensweisen benötigt. In diesem Beitrag wollen wir Sie in das Thema Geschäftsmodellinnovation einführen und einen ersten Überblick geben, wie Geschäftsmodellinnovationen gefunden, qualifiziert und priorisiert werden können.

Die Teilbereiche der Geschäftsmodellinnovation

Wie der Begriff schon vermuten lässt, ist „Innovation“ etwas Neues. Aus unternehmerischer Sicht ist Innovation ein kreativer Prozess, um vielversprechende Neuerungen am Markt oder unternehmensintern einzuführen und so den wirtschaftlichen Erfolg zu verbessern. Solche Neuerungen können Leistungen, Prozesse, Märkte oder soziale Belange betreffen. Geschäftsmodellinnovationen stellen dabei eine Sonderform der Innovationsarten dar, da hier Überschneidungen mit den genannten vier Teilbereichen bestehen bzw. die Teilbereiche vielmehr auf einer Meta-Ebene zusammengeführt werden.

Die Teilbereiche der Geschäftsmodellinnovation in Anlehnung an Schallmo und Brecht

Etablieren Sie ein Vorgehensmodell für Innovation

Der Innovationsprozess selbst hat die Aufgabe, die notwendigen Aktivitäten und Entscheidungen in der richtigen Reihenfolge in einem möglichst kleinen Zeitfenster zu gewährleisten. Die Innovationsforschung hat für diese Art von Prozessen eine Reihe bewährter Vorgehensmodelle geschaffen (bspw. Design Thinking, Stage-Gate-Modell, Lean Startup). Durch deren Anwendung können Sie in Ihrem Unternehmen schnell Impuls-, Bewertungs- und Transferphasen etablieren. Ein Beispiel, wie Sie einen Innovationsprozess gestalten können, haben wir im Blogbeitrag „Entwicklung von Geschäftsmodellen und Design Thinking“ beschrieben.

Nutzen Sie die Quellen der Geschäftsmodellinnovation

Einer Geschäftsmodellinnovation liegt eine Vielzahl an generierten Ideen zugrunde.

Ideenquellen für Unternehmen sind:

  • interne Akteure: Intrapreneure, Schlüsselmitarbeiter etc.
  • externe Innovatoren: Kunden, Partner, andere Marktteilnehmer sowie unabhängige Guerilla-Innovatoren

Durch den zunehmenden Einsatz von Technologien zur digitalen Vernetzung steigt auch die Relevanz dieser Ideenquellen für das eigene Geschäftsmodell. Über digitale Kooperationen können Sie schneller Nutzen aus den Leistungs- bzw. Prozessinnovationen externer Innovatoren ziehen.

Qualifizieren und bewerten Sie Geschäftsmodellinnovationen

Ob aus Ideen Innovationen werden, entscheiden Marktpotenzial und der zur erwartende Return on Investment (ROI). Zu Beginn des Innovationsprozesses sind Ideengeber und Coaches mit dieser Aufgabe aus nachvollziehbaren Gründen meist noch überfordert. Natürlich ist der ROI essentiell, Organisatoren sollten den Ideenfindungsprozess durch zu frühes Einführen dieses Kriteriums jedoch nicht voreilig abwürgen und Ideengeber vergraulen. Ideen müssen sich in den frühen Phasen hauptsächlich an qualitativen Kriterien messen. Für sinnvolle Entscheidungen empfehlen wir die Ideen anhand des Innovationsgrads sowie weiterer, speziell auf das Unternehmen zugeschnittener Kriterien zu selektieren.

Der Innovationsgrad unterteilt sich nach geringfügig risikoreduzierten (inkrementellen) und fundamental risikobehafteten (radikalen) Änderungen gegenüber dem Marktumfeld. Um den Innovationsgrad einer Idee zu bestimmen, sollten Marktstudien bzw. Ansprechpartner mit Fachexpertise herangezogen werden.

Für eine unternehmensspezifischere Bewertung sollte der Einfluss der potentiellen Innovation auf die Perspektiven

  • „eigenes Unternehmen“ (Wie wirkt sich die Innovation im Unternehmen durch Produkt-/Prozessänderungen aus?),
  • „Kundensegmente“ (Welche resultierenden Wissens- und Verhaltensänderungen treten bei Kunden auf?) und
  • „Wettbewerb“ (Seit wann wird ein ähnliches Angebot eines anderen Anbieters bereits im gleichen Kundensegment vertrieben?)

bestimmt werden.

Die Erhebung der Kriterien sollte objektiv durch Befragung von Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Experten erfolgen.
Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse kann so früher über Chancen-Risiken entschieden und sinnvolle Relevanzfilter für die weitere Bearbeitung gesetzt werden.

Lassen Sie die Ideen reifen

Für Unternehmen erhöht sich mit steigender Anzahl von Ideen die Wahrscheinlichkeit, passende Ideen zu finden. Im Gegenzug vergrößert sich damit aber auch der Aufwand für die Strukturierung und Bewertung der Ideen. Coaches und Organisatoren können jedoch vorbeugen, indem sie regelmäßig durch Filter selektieren und priorisieren. In den Phasen zwischen den Entscheidungen arbeiten die Ideengeber unter methodischer Anleitung weiter an der Konkretisierung. Das verbleibende Innovationspotential wird in so vielen Durchläufen wie notwendig zur Marktreife geführt.

Geschäftsmodellinnovationen entwickeln mit dem WIND-Workshop

Der Kern des WIND-Workshops hat viel mit einem Innovationsworkshop gemeinsam.  Aufwand-Nutzen-Verhältnis und sein integrativer Charakter machen den WIND-Workshop sehr attraktiv für die Innovation von Geschäftsmodellen. Die Teilnehmer des WIND-Workshops können intern oder gemischt (sog. Ko-Kreation) besetzt werden.

Im WIND-Workshop werden die generierten Geschäftsmodellideen der Phase (4) zunächst durch die Teilnehmer qualitativ nach Relevanz (z. B. Chancen-Risiken-Verhältnis) gefiltert. Nur die vielversprechendsten Geschäftsmodellideen kommen in die nächste Entwicklungsphase. In den anschließenden Iterationen werden die Geschäftsmodellideen mit Hilfe unserer Experten zu aussagefähigen Konzepten verdichtet und hinsichtlich Umsetzbarkeit bewertbar gemacht. Durch die im WIND-Workshop integrierten regelmäßigen Feedbackschleifen werden in kurzer Zeit bereits Geschäftsmodellkonzepte mit hohem Reifegrad entwickelt.

 

Quellen- und Bildverweise

  • Daniel Schallmo, 2012, „Geschäftsmodell-Innovation: Grundlagen, bestehende Ansätze, methodisches Vorgehen und B2B-Geschäftsmodelle“, Springer-Verlag
  • Christian Terwiesch & Karl Ulrich, 2009, „Innovation Tournaments: Creating and Selecting Exceptional Opportunities“, Harvard Business Press
  • Karan Girotra, Christian Terwiesch, Karl Ulrich, 2009, „Idea generation and the quality of the best idea.“, INSEAD Working Paper
  • Titelbild Designed by Freepik
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