OPEN INNOVATION – INTEGRATION VON EXTERNEN IN DEN INNOVATIONSPROZESS (TEIL 2)

Im ersten Teil unseres Beitrages aus dem Themengebiet „Open Innovation“ haben wir die Lead-User-Methode und Virtual Communities als Möglichkeit zur Erhöhung der Innovationskraft von Unternehmen dargestellt.

Aber was hat die Thematik mit uns als Anbieter eines Workshops im Bereich Digitalisierung zu tun? Nun, wir haben auf die Parallelen unserer WIND-Workshops zur Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und die Lead-User-Methode hingewiesen. Allerdings liegt einer der Vorteile unseres Workshop-Formats in der Kombination von externem und internem Wissen.

Im zweiten Teil unseres Beitrages wollen wir weitere Instrumente für die Umsetzung von Open Innovation vorstellen. Dies sind Toolkits for User Innovation, Innovationswettbewerbe und Innovationsmarktplätze.

Toolkits for User Innovation

„Toolkits for User Innovation“ sind Entwicklungsumgebungen, in denen potenzielle oder aktuelle Kunden eines Unternehmens die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse in iterativen Prozessschritten in konkrete Lösungen zu überführen, ohne dazu in einer ständigen Kommunikation mit dem Unternehmen stehen zu müssen. Konkret können Toolkits z. B. über einen Produktkonfigurator abgebildet werden. Ausgehend von einer Standardkonfiguration hat der Kunde die Möglichkeit, Modifikationen vorzunehmen. Unterschieden werden Toolkits dabei nach der Offenheit des dem Kunden angebotenen Lösungsraums: bei vergleichsweise kleinen Lösungsräumen, bei denen der Kunde nur Individualisierungen oder Anpassungen vornehmen kann, werden als „Tool Kits for Co-Design“ bezeichnet. Echte „Toolkits for User Innovation“ zeichnen sich durch einen sehr großen und offen gestalteten Lösungsraum aus. Der Kunde kann so nicht nur Individualisierungen oder Anpassungen vornehmen, sondern auch vollständig neue Eigenschaften entwickeln, z. B. durch ein in die Entwicklungsumgebung integriertes Zeichenprogramm.

Für Unternehmen bietet dieser Variante der Open Innovation insbesondere zwei Vorteile: zum einen reduziert sich der Kommunikationsprozess mit dem Kunden, da dieser Lösungen selbstständig entwickelt. Letztendlich lagert das Unternehmen damit den Trial-and-Error Prozess „Kunde nach seinen Bedürfnissen befragen – Lösungen entwickeln – Lösungen testen – Kunde zur Lösung befragen – Lösung weiterentwickeln – …“ an den Kunden aus. Zum anderen kann ein Unternehmen durch die Toolkits sehr viele Informationen von Kunden generieren und z. B. auf Basis häufig angefragter Lösungen neue Leistungen entwickeln oder vorhandene Leistungen modifizieren (siehe auch Grafik, Darstellung nach Piller, F., Möslein, K., Ihl, C., Reichwald, R. (2017), S. 77).

Innovationswettbewerb

Innovationswettbewerbe als weitere Variante zur Generierung von Ideen beginnen mit einem öffentlichen Aufruf, innerhalb eines definierten Zeitraums Beiträge mit Bezug zu einem spezifischen Thema einzureichen. Anwendung finden solche Wettbewerbe meist in einer sehr frühen Phase des unternehmerischen Innovationsprozesses. Innovationswettbewerbe können unterschiedlich gestaltet sein z. B. im Hinblick auf:

  • das genutzte Medium (Online-/Offline-Wettbewerbe),
  • die Laufzeit des Wettbewerbs,
  • die in Aussicht gestellte Belohnung,
  • die Anzahl der Teilnehmer (Teilnahme für Einzelpersonen oder für Teams),
  • die Art der Teilnehmer (Experten, Kunden, …),
  • den Reifegrad der gewünschten Beiträge (Idee, Entwurf, Konzept, Lösung, Prototyp, …),
  • die Beurteilung der eingereichten Beiträge (Jury, Peer Review, …) sowie
  • den Modus (keine Interaktion der Teilnehmer untereinander oder Interaktion z. B. über eine Plattform).

 

Beispiel für einen erfolgreich durchgeführten Innovationswettbewerb ist die Verbesserung des Empfehlungssystems von Netflix: das Unternehmen schrieb im Jahr 2006 einen mit einer Million USD dotierten Wettbewerb aus, welcher die Verbesserung des bis dato genutzten Empfehlungssystems zum Ziel hatte. Gewonnen hat den Preis ein aus 107 Teilalgorithmen bestehendes Lösungskonzept, das aus der Zusammenarbeit von drei Teams hervorging.

Innovationsmarktplätze

Innovationsmarktplätze als letzte Variante sind zumeist über webbasierte Plattformen abgebildete Marktplätze, in denen innovationshungrige Unternehmen ihre Herausforderungen formulieren und Einzelpersonen oder Teams an Lösungen arbeiten können. Ein Beispiel für einen Innovationsmarktplatz ist Innocentive. Der Marktplatz verfügt eigenen Angaben zu Folge über eine Community aus 380.000 Personen zur Problemlösung. Auch bei Innovationsmarktplätzen loben Unternehmen Prämien für die besten Lösungen aus.

 

Quellennachweise:

Digmayer, C., & Jakobs, E.-M. (2013). Shared Ideas: Integration von Open-Innovation-Plattform-Methoden in in Design-Thinking-Prozesse. In F. Keuper, K. Hamidian, E. Verwaayen, T. Kalinowski, & C. Kraijo, Digitalisierung und Innovation (S. 367-394). Wiesbaden: Springer.

Faber, M. J. (2009). Open Innovation: Ansätze, Strategien und Geschäftsmodelle. Gabler: Wiesbaden.

Fueglistaller, U., Müller, C., Müller, S., & Volery, T. (2016). Innovation und Entrepreneurship. In U. Fueglistaller, C. Müller, S. Müller, & T. Volery, Entrepreneurship: Modelle – Umsetzung – Perspektiven Mit Fallbeispielen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (S. 97-136). Wiesbaden: Springer.

Möslein, K. M., & Neyer, A.-K. (2009). Open Innovation. Grundlagen, Herausforderungen. In A. Zerfaß, & K. Möslein, Kommunikation als Erfolgsfaktor im Innovationsmanagement. Strategien im Zeitalter der Open Innovation. (S. 85-103). Wiesbaden: Gabler.

Piller, F. T., Lüttgens, D., & Neuber, S. (2015). Die Intelligenz der Märkte nutzen: Open Innovation. Abgerufen am 27. 11 2017 von http://www.downloads.mass-customization.de/openinnovation2008.pdf

Piller, F., Möslein, K., Ihl, C., & Reichwald, R. (2017). Interaktive Wertschöpfung kompakt. Wiesbaden: Springer.

Reichwald, R., & Piller, F. (2009). Interaktive Wertschöpfung: Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung. Wiesbaden: Gabler.

Wagner, P., & Piller, F. T. (2011). Open Innovation – Methoden und Umsetzungsbedingungen. In J. Howaldt, R. Kopp, & E. Beerheide, Innovationsmanagement 2.0 (S. 101-129). Wiesbaden: Springer.

Wagner, Philipp; Piller, Frank. (o. J.). Abgerufen am 27. 11 2017 von Mit der Lead-User-Methode zum Innovationserfolg: http://clicresearch.org/wp-content/uploads/2011/11/20_de_lead_user_handbuch.pdf

 

Bildnachweis:

svetazi/ Fotolia (Datei: #189976912)

 

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