Digital Demoday 2018 – Start-Up-Unternehmen trumpfen auf

Demoday für digitale Start-Ups in Düsseldorf

Am 1. Februar waren wir auf dem Digital Demoday 2018 in Düsseldorf. Auf der vom digihub der Stadt Düsseldorf verantworteten Veranstaltung stellten mehr als 50 Start-Up-Unternehmen aus Deutschland ihre Lösungen in den Bereichen Internet of Things (IoT), Smart Devices, Cyber Security, Smart Devices, Künstliche Intelligenz und vielen anderen Bereichen vor. Die Veranstaltung verfolgte einen zweigeteilten Ansatz: auf der einen Bühne hatten Start-Up-Unternehmen die Möglichkeit, in sieben Minuten ihre Ideen vorzustellen. Auf der zweiten Bühne fanden Vorträge und Diskussionen u. a. zu den Themen Venture Capital, Künstliche Intelligenz und Start-Up-Community statt.

3D-Druck und Augmented/Virtual Reality gefühlt am stärksten vertreten

Zunächst ein paar Eindrücke zu den Start-Up-Unternehmen. Gefühlt dominierten Technologie-Start-Ups aus den Bereichen 3D-Druck und Augmented Reality bzw. Virtual Reality das Feld. Doch auch im Bereich Cyber Security fanden sich einige Anbieter mit Lösungen – so zum Beispiel ein Start-up, welches, etwas vereinfacht ausgedrückt, folgende Frage aufwarf: „Passwörter sind so alt wie das Internet. Das Internet hat sich weiterentwickelt – aber wir nutzen immer noch Passwörter – warum?“. Die Lösung des Unternehmens ist eine Authentifizierungssoftware. Persönlich sehr spannend fand ich das Berliner Unternehmen Codino von Stephan Hillekamps. Der Gründer hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Barrieren für den Einstieg in die Welt des Programmierens und der digitalen Projekte zu senken, indem er Bastelkits anbietet, die, so seine Worte, die Chemiebaukästen der heutigen Zeit darstellen. Schritt für Schritt können dort interessierte Tüftler kleine Projekte realisieren. Aber nicht nur die Idee, sondern auch die Präsentation und auch das Geschäftsmodell des engagierten Herren überzeugten mich: so verfolgt sein Unternehmen einen leicht nachvollziehbaren, dreistufigen Ansatz:

  • „Build“ – der Aufbau von Schaltungen. Dabei sind in einem Kit mehrere, aufeinander aufbauende Projekte enthalten,
  • „Code“ – die Programmierung. Dabei, so versicherte der Gründer, würde es keine einzige undokumentierte Zeile Code geben,
  • „Play“ – der spielerische Umgang mit und die Weiterentwicklung der Lösung.

 

Aus Geschäftsmodellsicht ist jetzt vor allem der dritte Aspekt interessant, da hier inzwischen eine recht aktive, jugendliche Community ihre Weiterentwicklungen zur Verfügung stellt. Dadurch wird das Unternehmen Codino bei der Contenterstellung entlastet und zudem wird das physische Produkt (hier: das Starterkit) mit einer wachsenden Community und mehr zur Verfügungen stehenden Anwendungsmöglichkeiten für die Nutzer interessanter – letztendlich ein schönes Beispiel für einen positiven Netzeffekt bzw. Netzwerkeffekt.

Spannende Erkenntnisse aus den Podiumsdiskussionen

Von der zweiten Bühne, der Vortragsbühne, möchte ich Ihnen ein paar spannende Aussagen und Erkenntnisse mit Bezug zu (digitalen) Geschäftsmodellen in komprimierter Form wiedergeben. Die erste Stammt von Martin Teichmann, Geschäftsführer von Kesselheld. Kesselheld bietet den Austausch und die Modernisierung von Heizungsanlagen an – über eine Plattform. Das ursprüngliche Geschäftsmodell sah vor, Aufträge über die Plattform zu generieren und diese an Kooperationspartner zu vergeben. Der Prozess ist dabei an vielen Stellen digitalisiert, so erfolgt z. B. die Angebotserstellung auf Basis einer „Fotobegehung“. Allerdings zeigte sich, dass die Kooperationspartner an vielen Stellen den hohen Digitalisierungsgrad des Unternehmens nicht mitgehen wollten / konnten. Nach Aussage des Gründers führte dies zu einem hohen Aufwand für das Unternehmen (Schnittstellenmanagement etc.). Dies veranlasste den Gründer zu einer erheblichen Modifizierung des Geschäftsmodells: Er arbeitet jetzt nicht mehr mit Heizungsmonteuren als Kooperationspartnern, sondern mit fest angestellten Monteuren. Das Ergebnis ist eine spannendes Geschäftsmodell mit einer deutlich skalierbaren Digitalkomponente (das Unternehmen kann über das Internet viele Aufträge generieren, durch die Fotobegehung wird auch die Angebotserstellung vereinfacht und auch die Beratung kann über Online-Kanäle stattfinden) und einer weniger gut skalierbaren Offline-Komponenten (fest angestellte Handwerker, die nur eine Anzahl X an Heizungen pro Tag austauschen können). Ferner bietet das Geschäftsmodell aus unserer Sicht einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Durch die eigenen Monteure des Unternehmens steht Kesselheld tagtäglich im persönlichen Kundenkontakt und kann, eine entsprechende Infrastruktur vorausgesetzt, die Kundenbedürfnisse verfolgen. Das ist kein Vorteil, weil das jeder Offline-Heizungsbauer auch kann? Generell richtig – fraglich allerdings, ob dieser die gewonnenen Daten aber systematisch erhebt und auswertet.

Differenzierung durch Digitalisierung

Eine zweite Aussage stammt von Bernd Groß und bezieht sich auf die Notwendigkeit und die hohe Bedeutung von Innovationen für deutsche Mittelständler. Seiner Aussage nach – und das ist kein Geheimnis – sind deutsche Unternehmen als Ausrüster im B2B-Bereich sehr erfolgreich („Hidden Champions“) und konnten in der Vergangenheit durch die hohe Präzision ihrer Anlagen bestechen. Als Beispiel führte er aus, dass 15 % der Möbel von IKEA auf Anlagen produziert werden, die von einem deutschen Ausrüster stammen. Allerdings sind v. a. asiatischen Unternehmen zunehmend häufiger in der Lage, ebenfalls eine hohe Präzision zu liefern. Ein „Präzisionswettbewerb“ in diesem Bereich ist aber nicht sinnvoll – vergleiche hierzu meinen Beitrag zum Thema Innovation: im Sinne einer evolutionären Innovation würde der Anbieter die Produktleistung (hier: Präzision der Maschinen) immer weiter erhöhen und irgendwann die obere Grenze der Marktanforderungen durchstechen. Die Maschinen wären also präziser, als der Markt es verlangt. Und ob für solch präzise Maschinen dann eine entsprechende Zahlungsbereitschaft existiert, sei dahingestellt. Was also tun als deutscher Ausrüster, wenn ein wichtiges Differenzierungsmerkmal zur Konkurrenz, die hohe Präzision, nicht länger als Unterscheidungsmerkmal zu den Wettbewerbern dienen kann? Die Antwort von Bernd Groß ist eindeutig: der Weg muss seiner Ansicht nach über Innovationen gehen – z. B. eine Innovation der Leistung, in dem digitale Zusatzservices angeboten werden. Und spätestens beim Begriff Leistungs- oder Nutzeninnovation klingelt es – wir bewegen uns hier im Geschäftsmodell des Unternehmens und ändern die Komponente „Wertangebot“. Damit einhergehen wird i. d. R. auch eine Anpassung der Wertschöpfungsarchitektur, da z. B. neue Technologien erforderlich sind, die das Unternehmen aber nicht selbst beherrscht, sondern über Partner in die Wertschöpfung eingebracht werden. Letztendlich also ein schöner Fall einer Geschäftsmodellinnovation.

Insgesamt war der Digital Demo Day in Düsseldorf eine spannende Veranstaltung mit vielen neuen Impulsen, Ideen, Erkenntnissen und auch Kontakten: Wir haben einen Anbieter identifiziert, der in sehr kurzer Zeit IoT-Prototypen bauen kann. Letztendlich wäre das eine perfekte Ergänzung zum WIND-Workshop und ein Gewinn für unsere Kunden. Denn der Partner kann bereits in den Workshop eingebunden werden. Am Ende des WIND-Workshops steht dann eine Reihe konkreter Geschäftsideen. Und hierzu können im besten Fall dann über den in unseren Workshop eingebundenen Partner in der Folge Prototypen gebaut werden – ohne Schnittstellen- oder Reibungsverluste.

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