Warum digitale Kooperation Potential hat

In einem unserer letzten Blogbeiträge haben Sie „7 Merkmale digitaler Geschäftsmodelle“ kennengelernt. In diesem Artikel gehen wir konkreter auf das Merkmal 4 „Integration unterschiedlicher Akteure“ – auch digitale Kooperation genannt – ein und zeigen, warum Sie mit Ihren Kunden und anderen Marktteilnehmern eine digitale Kooperation eingehen sollten.

Was ist eine Kooperation?

Vom unternehmerischen Standpunkt aus bedeutet Kooperation das zweckgebundene Zusammenwirken von zwei oder mehreren Akteuren für die Erreichung eines gemeinsamen Ziels (z. B. Nutzenmaximierung, Wettbewerbsvorteil, Markterschließung/-durchdringung). Neben der Kooperation zählt Robert Klimke in seinem Buch „Professionelles Partnermanagement im Lösungsvertrieb“ vier weitere Modelle einer Partnerschaft auf – Modelle aufsteigend nach Grad der Verzahnung:

  1. projektbezogene Partnerschaft
  2. unabhängige Partnerschaft
  3. Co-Opetition
  4. Kooperation
  5. echte Partnerschaft

Alle genannten Partnerschaftsmodelle sind in der heutigen Geschäftswelt gang und gäbe. Insbesondere Kooperationen und echte Partnerschaften haben das Potential, das Angehen von Geschäftsmodellinnovationen zu vereinfachen oder die Maßnahmen des Marketing-Mix (4 P’s) enorm zu beschleunigen. Ein wesentlicher Vorteil dieser Modelle ggü. M&A ist bspw. die viel einfachere und schnellere Umsetzung. Echte Partnerschaften und Kooperationen können jedoch auch nachteilig wirken – verursacht z. B. durch fehlende gemeinsame Vertriebsziele oder sich überlagernde Vertriebskanäle. In der Folge entsteht eine sog. „blockierende Partnerschaft“. Zur Vermeidung dieser Situation empfiehlt Robert Klimke, die zweckgebundene Zusammenarbeit mit anderen Marktakteuren in einem Partnermanagement-Prozess zu organisieren.

Welche Branchen sind heute auf digitale Kooperation gut vorbereitet?

Nur was digitalisiert ist, lässt sich technisch vernetzen. So sind Branchen, die der Digitalisierung ihrer Prozesse bereits in der Vergangenheit hohen Stellenwert eingeräumt haben, heute im Bereich digitaler Vernetzung vorn dabei. Dazu zählen laut einer 2017 durchgeführten Umfrage des Kantar TNS zu allererst die IKT-Branche (77%) sowie gleichauf Finanz- und Versicherungsbranche und wissensintensive Dienstleister (jeweils 61%). Aufholbedarf suggerieren die Branchen Gesundheitswesen (31 %) sowie Verkehr und Logistik (27%). Die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sind dabei primär mit ihren Geschäftskunden vernetzt (61%). Danach folgen die digitale Vernetzung mit Lieferanten (51%) sowie die Vernetzung innerhalb der Produktion und Dienstleistungserstellung (46%). Deutlich geringer ausgeprägt ist die digitale Vernetzung mit Akteuren, die am Ende der Wertschöpfungskette stehen: die Privatkunden (34%) und die Logistik (30%).

Welche Potentiale entstehen durch digitale Kooperation?

Digitale Kooperation hat seit der New Economy-Ära durchaus signifikante Beachtung durch Unternehmen erfahren. Anders als vor ca. 15 Jahren, genießen digitale Kooperation heute jedoch eine viel breitere Aufmerksamkeit. Dies ist zum einen darin begründet, dass Unternehmen seither viele ihrer Wertschöpfungs- bzw. Leistungsketten im Sinne der Automatisierung bzw. Effizienzsteigerung digitalisiert haben. Andererseits sind die Potentiale durch die Fähigkeiten zur digitalen Vernetzung im Zuge marktreifer Technologien wie z. B. Cloud-Computing, Internet of Things oder Big Data gewaltig gestiegen. Um die Digitalisierung voranzutreiben, kooperieren Unternehmen mit anderen Unternehmen aus derselben oder aus einer anderen Branche, um von deren Know-how zu profitieren und Synergien zu nutzen. Gemäß der Umfrage des Kantar TNS sind kooperierende Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe (VG) und dem Dienstleistungsbereich (DL) in erster Linie an einem Informations- und Erfahrungsaustausch interessiert (VG 88% , DL 80%). Bekanntlich ist dies die erste Phase der digitalen Transformation und die Zahlen:

  • der in konkreten einzelnen Geschäftsbereichen kooperierenden Unternehmen (VG 84%, DL 73%)
  • der Unternehmen mit strategischen Allianzen (VG 30%, DL 48%)
  • der Unternehmen in Gemeinschaftsgründungen (VG 6%, DL 17%)

… werden mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter wachsen. Laut der Studie kooperieren lediglich 4% der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Start-ups der eigenen bzw. angrenzenden Branchen.

Zusammenfassung

Die Vernetzung von Dingen, Diensten und Menschen ist ein entscheidender Einflussfaktor für die digitale Transformation von Geschäftsmodellen. Sie beginnt auf technischer Ebene, deren Auswirkungen setzen sich aber auch auf organisatorischer und nicht zuletzt auf persönlicher Ebene fort. Das sollten Sie bei den nächsten Schritten berücksichtigen. Eine geschickt initiierte digitale Kooperation kann eine Art Katalysator bei der digitalen Transformation des Geschäftsmodells sein. Bereits viele Beispiele digitaler Geschäftsmodelle zeigen (z. B. Netzeffekt bei Plattformgeschäftsmodellen von Amazon und AirBnB), wie vielversprechend digitale Kooperation wirken kann. Sie sollten die Potentiale digitaler Kooperation also nutzen, um bspw. Ihre Reichweite noch schneller zu steigern, Ihre digitalen Geschäftsmodell- oder Produktinnovationen zu forcieren oder um Ihr eigenes Angebots- und Leistungsportfolio flexibler, umfangreicher oder auch edler zu gestalten. Je ausgereifter die digitale Vernetzung dabei ist, desto anpassungsfähiger ist die Kooperation letztlich auch ggü. Marktänderungen.

Quellen- und Bildverweise

R. Klimke, Professionelles Partnermanagement im Lösungsvertrieb, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Monitoring-Report | Kompakt Wirtschaft DIGITAL 2017

Titelbild designed by Freepik

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